Touraine Magnifique

Touraine : Ein Reiseführer durch Frankreichs schönstes Tal

Place Plumereau in Tours, Herz der mittelalterlichen Altstadt
Place Plumereau : das lebhafte Herz der Altstadt von Tours  ·  Turone.fr besuchen →

Die Touraine : das Land der Loire-Schlösser, der sanften Hügel und der besten Rillettes der Welt. Eine Region im Herzen Frankreichs, die sich zwischen Geschichte, Gastronomie und zeitgenössischer Kreativität entfaltet, ohne je den Atem zu verlieren. Wer die Touraine kennt, versteht, warum die Franzosen sie seit dem fünfzehnten Jahrhundert „Garten Frankreichs" nennen.

Dieser Reiseführer nimmt Sie mit auf eine Reise durch das Beste dieser Region : von den poetischen Ufern der Loire über die märchenhaften Schlösser bis hin zu den Tischen, auf denen die Rillettes de Tours thronen. Sie werden Balzac begegnen, der hier 1799 geboren wurde, und Théophile Gautier kennenlernen, der eher enttäuscht durchreiste. Sie werden erfahren, dass ein Hurrikan die Touraine niemals treffen kann : und dass ein Gartenfestival hier zu Weltformat gewachsen ist.

Jedes Kapitel enthält ein Foto und einen direkten Link zum vollständigen französischen Artikel auf Turone.fr, für alle, die tiefer eintauchen möchten. Die Touraine lädt ein : und das gilt in jeder Sprache.

— I. Die Region —

Tours und die Touraine : Eine Stadt, die sich langsam enthüllt

Das alte Rathaus von Tours : Architektur des 19. Jahrhunderts
Das alte Rathaus von Tours : Artikel auf Französisch lesen →

Im Jahr 1907 veröffentlichte der Kunsthistoriker Paul Vitry einen Reiseführer über Tours und die Schlösser der Touraine. Sein Vorwort ist bemerkenswert, weil es eine Region beschreibt, die ihre Schönheit nicht auf den ersten Blick preisgibt : sondern sich erst demjenigen zeigt, der bereit ist, innezuhalten, hinzuschauen und wiederzukommen.

Die Loire, so Vitry, zeichnet am Fuß der Hügel von Saint-Symphorien und Saint-Cyr einen sanften Bogen, „wie es sich für den trägen Fluss gehört, versperrt von Sandbänken und grünen Inseln". Sie entfaltet eine stille Majestät, und von den Hügeln, den Kais, den Brücken aus entdeckt man jedes Mal andere Horizonte : je nach Jahreszeit, je nach Licht, je nach Stunde des Tages.

„Ce n'est pas ici un pays de lumière éclatante, de pittoresque excessif, de beauté frappante ; mais la séduction pénétrante s'en fait sentir peu à peu, douce et invincible."
— Paul Vitry, Tours et les Châteaux de Touraine, 1907

Kein gleißendes Licht, kein überwältigendes Pittoreske : sondern eine Schönheit, die schleichend und unwiderstehlich ist. Genau das ist die Touraine. Die Stadt Tours empfängt den Besucher zunächst mit breiten Boulevards, eleganten Fassaden, Blumenmärkten auf den Prachtstraßen und weißem Tuffstein, der in der Sonne leuchtet. Doch ihre wahren Schätze verbergen sich hinter banalen Eingangstüren, in romanischen Kreuzgängen und in mittelalterlichen Gassen, die das moderne Stadtbild kaum erahnen lässt.

Vitry erinnert uns daran, dass die Kunstgeschichte Frankreichs : und nicht nur der Touraine : in Tours besonders dicht geschrieben ist. Die Schlösser der Umgebung, die Abteien, die Kathedralen sind Ausdrücke einer Hochkultur, die sich zwischen dem elften und sechzehnten Jahrhundert hier entfaltete. Paul Vitry war übrigens nicht nur Reiseschriftsteller: Ab 1905 leitete er die Skulpturenabteilung des Louvre, und 1939 organisierte er die Auslagerung der Kunstwerke nach Schloss Chambord : einem Château, dem wir in diesem Reiseführer noch begegnen werden.

Für den heutigen Besucher ist Tours eine lebendige Universitätsstadt, ein Knotenpunkt zwischen Paris und der Atlantikküste, und der ideale Ausgangspunkt, um das Loire-Tal zu erkunden. Die TGV-Verbindung nach Paris Montparnasse dauert etwa fünfzig Minuten : was die Tourangeaux gerne betonen, auch wenn der Fahrplan nicht immer dieser Behauptung gerecht wird.

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Die Loire : Frankreichs königlicher Fluss

Eine Gabare auf der Loire in der Touraine
Eine Gabare auf der Loire : der Fluss der Dichter und der Schlösser. Artikel auf Französisch →

Die Loire ist mehr als ein Fluss. Sie ist eine Lebensader, eine Landschaft, eine Stimmung. Mit 1.006 Kilometern ist sie der längste Fluss Frankreichs : und nirgendwo ist sie schöner als in der Touraine, wo sie sich breit und majestätisch durch Sandebenen und unter alten Steinbrücken hindurchschlängelt. Das Loire-Tal ist seit dem Jahr 2000 UNESCO-Weltkulturerbe : nicht wegen eines einzelnen Monuments, sondern wegen der außergewöhnlichen Harmonie zwischen dem Fluss, den Weinbergen, den Dörfern und der menschlichen Architektur über Jahrhunderte hinweg.

Kein Wunder, dass die Loire die Dichter seit jeher inspiriert. Guy Schladeck widmete ihr ein Gedicht, das ihre wechselnden Stimmungen und ihre stille Größe einfängt:

La Loire en Touraine, majestueuse et fière,
S'écoule en serpentant à travers la contrée,
Ses flots cristallins reflètent la lumière,
Et charment les cœurs de leur douce clarté.

— Guy Schladeck

Auch Yvette L. griff zur Feder und schrieb Verse, die an Pierre de Ronsard erinnern : den Dichter der Renaissance, der die Touraine und ihre Loire unsterblich gemacht hat. Es sei hier angemerkt, dass das Tourangeau-Französisch seit jeher als das klarste und reinste Französisch gilt : eine Aussage, die Tourangeaux mit stiller Genugtuung vernehmen und die Pariser lieber nicht kommentieren:

Touraine, belle province de France,
Que Ronsard a chanté en maintes strophes,
Tes paysages sont une romance,
Où chaque saison est une étoffe.

— Yvette L.

Wer die Loire in der Touraine erleben will, sollte sich Zeit nehmen. Ein Abend am Flussufer bei Vouvray, ein Glas Montlouis-sur-Loire oder Bourgueil in der Hand, das leise Plätschern des Wassers im Hintergrund : das ist die Touraine in ihrer reinsten Form. Keine Sehenswürdigkeit der Welt kann dies ersetzen.

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Der Garten Frankreichs : Ein kritischer Reisebericht aus dem Jahr 1850

Chenonceau, das Schloss der Damen, spiegelt sich im Cher
Chenonceau : das Schloss der Damen, von keinem anderen Reisenden kritisiert. Artikel auf Französisch →

Im Jahr 1850 veröffentlichten die Brüder Adolphe und Émile Rouargue ihren Album pittoresque du jardin de la France : eine Sammlung von fünfzig Gravuren der Loire von der Mündung bis zur Quelle, begleitet von Reisebeschreibungen. Es ist ein faszinierendes historisches Dokument, und für die zuständigen Tourismusbüros der damaligen Zeit wäre es ein Albtraum gewesen.

Über Blois schreibt Rouargue ohne Umschweife: Die Straßen seien „ohne Schönheit", die Häuser „ohne Eleganz", es gebe „nichts zu bewundern" in der Architektur. Der Kai habe zwar eine gewisse dekorative Qualität wie eine Theaterdekoration : sei aber schlecht gebaut und schlecht gepflastert. Und dann, der Satz, der einen im Gedächtnis bleibt:

„L'existence des habitants est triste et morne comme l'aspect de la ville vieille."
— Émile Rouargue über Blois, 1850

Das Leben der Einwohner ist traurig und düster wie das Erscheinungsbild der alten Stadt. Man fragt sich, ob Rouargue jemals eingeladen wurde, in Blois zu speisen. Chinon kommt kaum besser weg: Das Rathaus steht auf einem „abscheulichen Platz", der Theatervorhang fiel buchstäblich auf das Publikum : und Rabelais, der berühmteste Sohn der Stadt, wird lakonisch als „Kasper der Literatur" bezeichnet.

Tours hingegen überlebt den Rouargue-Test mit relativer Würde. Der Reisende findet eine Stadt unter dem „schönsten Himmel Frankreichs", mit eleganten Straßen, schönen Hôtels und belebten Cafés. Selbst der Hinweis, dass Marie de Médicis in einem Tourangeaux-Stadtpalais beinahe unter einem Fußboden begraben worden wäre, klingt in Rouargues Feder fast wie ein Gütezeichen.

Das Werk ist auf Gallica, der Digitalbibliothek der Bibliothèque nationale de France, vollständig und kostenlos zugänglich. Für den heutigen Leser bietet es den doppelten Genuss: die prachtvollen historischen Stiche zu bewundern : und zu sehen, wie weit sich Blois, Chinon und Amboise seither aus ihrer scheinbaren Traurigkeit befreit haben.

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Stürme über der Touraine : Wenn das Wetter Geschichte schreibt

Ein Hurrikan über Tours : KI-generierte Illustration
Tours unter einem Hurrikan : eine KI-Illustration. In Wirklichkeit: physikalisch unmöglich. Artikel auf Französisch →

Die Frage entstand aus der Sorge einer Fünfjährigen namens Ambre, die die erschreckenden Bilder von Hurrikan Milton in Florida gesehen hatte. „Könnte so etwas auch bei uns passieren?" fragte sie. Die ehrliche Antwort: Nein. Ein tropischer Wirbelsturm bildet sich ausschließlich über warmem Ozeanwasser und ist in Mittelfrankreich physikalisch vollständig unmöglich : auch wenn Loire und Cher im Sommer manchmal angenehm temperiert sind.

Und doch ist die Touraine nicht vor extremen Wetterereignissen gefeit. Das kollektive Gedächtnis der Region trägt die Stürme Lothar und Martin vom Dezember 1999, die innerhalb von 36 Stunden über Frankreich zogen. In der Touraine erreichten die Winde mehr als 140 km/h. Der Wald von Amboise verlor innerhalb weniger Stunden jahrhundertealte Bäume. Historische Schlösser erlitten schwere Schäden. Hunderttausende Haushalte saßen tagelang ohne Strom.

Die Landschaft, die Dichter seit Jahrhunderten als sanft und harmonisch beschrieben haben, trug plötzlich die Narben einer Naturkatastrophe. Die Touraine war verwundbar : und erinnerte sich daran, dass Schönheit keine Schutzgarantie ist.

Im Februar 2010 folgte Xynthia : ein Sturm mit Windspitzen von bis zu 160 km/h an den Küsten, begleitet von verheerenden Sturmfluten. 47 Todesopfer in Frankreich. Die Küstenregionen litten am stärksten, aber auch die Touraine war betroffen: erhebliche Sachschäden, massive Störungen im Bahnverkehr, tagelange Stromausfälle.

Der Klimawandel verändert die Frequenz und die Intensität solcher Ereignisse. Keine Hurrikane : aber außertropische Stürme von wachsender Stärke. Die „douce Touraine" der Dichter und die Touraine sous les vents der Meteorologen sind zwei Seiten derselben Landschaft. Wer mehr über extreme Wetterphänomene erfahren möchte, sei an das französische Institut Keraunos verwiesen, das sich auf die Analyse und Vorhersage von Gewitterrisiken spezialisiert hat.

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— II. Kunst & Architektur —

Schloss Chaumont und das Internationale Gartenfestival

Das Schloss Chaumont-sur-Loire thront über der Loire
Schloss Chaumont-sur-Loire : Bühne für zeitgenössische Kunst und Gartenkunst. Artikel auf Französisch →

Unter den Schlössern des Loire-Tals nimmt Chaumont-sur-Loire eine besondere Stellung ein. Nicht nur wegen seiner imposanten mittelalterlichen Silhouette, die hoch über dem Fluss thront, und nicht nur wegen seiner reichen Geschichte : Katharina von Medici, Diane de Poitiers und andere haben hier gewohnt. Sondern vor allem wegen dem, was hier seit 1992 jeden Sommer geschieht: das Festival International des Jardins de Chaumont, eines der bedeutendsten zeitgenössischen Kunstfestivals Europas.

Das Konzept ist so einfach wie genial: Gärtner, Künstler und Architekten aus aller Welt erhalten jeweils eine Parzelle des Schlossparks und können diese nach eigenem Ermessen : rund um ein vorgegebenes Thema : gestalten. Was entsteht, ist jedes Jahr neu, jedes Jahr überraschend: poetische Pflanzinstallationen, architektonische Experimente, begehbare Skulpturen, ephemere Landschaftsbilder. Ein Festival, das Gartenkunst als zeitgenössische Kunstform ernst nimmt.

Das Festival International des Jardins de Chaumont ist ein Kunstfestival, das Städte wie New York, Tokio oder Berlin gerne hätten. Das Loire-Tal ist kein Freilichtmuseum für die Vergangenheit : es ist auch ein Labor der Gegenwart.

Seit 2008 ergänzt die Saison d'art das Festival: Zeitgenössische Künstler bespielen nicht mehr nur den Park, sondern die Räume des Schlosses selbst : von der Küche bis zum Dachboden. Internationale Namen wie Andy Goldsworthy, Lee Bae, El Anatsui, David Quayola und Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger haben hier Installationen hinterlassen. Einige sind permanent geblieben und verwandeln das Schloss in ein lebendes Museum zeitgenössischer Kunst.

Eine philologische Nebenbemerkung: Der Name Chaumont leitet sich vom altfranzösischen „chauve mont" ab : der kahle Berg. Eine Etymologie, die Christina Blackie 1887 in ihrem Werk Geographical Etymology dokumentiert hat. Mussorgsky, hätte er davon gewusst, hätte möglicherweise sein berühmtes Klavierstück ganz anders benannt.

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Kirchenschätze in Descartes : Das Erbe ins rechte Licht rücken

Die Kirche Saint-Georges in Descartes, Indre-et-Loire
Die Kirche Saint-Georges in Descartes : neu beleuchtet, neu entdeckt. Artikel auf Französisch →

Descartes : ja, die Stadt heißt tatsächlich so, und zwar nach René Descartes, dem Philosophen des „Cogito ergo sum", der hier 1596 geboren wurde. Die Stadt an der Creuse, im südlichen Indre-et-Loire, ist mehr als ein philosophisches Pilgerziel: Sie bewahrt ein mittelalterliches Erbe, das in jüngster Zeit mit neuen Augen betrachtet : und mit neuem Licht beleuchtet : wurde.

Im Mittelpunkt steht die Kirche Saint-Georges, ein romanisches Bauwerk aus dem 12. Jahrhundert, seit 1908 als historisches Monument klassifiziert. Es ist auch die Kirche, in der Descartes getauft wurde : was ihr neben ihrer architektonischen Bedeutung eine philosophiegeschichtliche Dimension verleiht. Was sie heute auszeichnet, ist nicht nur ihr historisches Gewicht, sondern die Art, wie sie nun sichtbar wird.

Ein neues LED-Beleuchtungssystem inszeniert die Apsis, die Bögen und das Kirchenschiff mit präzisem, warmem Licht. Der Tuffstein : das charakteristische Material der Touraine : leuchtet cremig und einladend. Wer die Kirche vor der Renovierung kannte, entdeckt sie jetzt neu.

Entdeckt wurde dieses Juwel während einer Fahrradtour durch einen wenig besuchten Teil der Touraine, begleitet von Georges, einem aus Descartes stammenden Freund, der nach Jahren in Paris zurückkehrte. Seine Überraschung und Rührung beim Anblick der vertrauten, nun anders strahlenden Kirche seiner Kindheit ist das schönste Lob, das ein Restaurierungsprojekt erhalten kann.

Für Radfahrer bietet sich die Voie Verte zwischen Descartes und Preuilly-sur-Claise an : ein asphaltierter Radweg durch sanfte Landschaft. Und nach einer langen Tour sei verraten: Descartes bietet auch ausgezeichnete Patisserien mit lokalen Spezialitäten. Nicht alles in der Touraine ist Rillettes : aber Rillettes gibt es natürlich auch hier.

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— III. Gastronomie —

Rillettes de Tours : Die Seele der Touraine auf Brot

Dieser Artikel wurde von Wiegottinfrankreich verfasst
der Referenz für europäische Gastronomie.

Rillettes de Tours : goldbraun und faserig, die beste Charcuterie der Touraine
Rillettes de Tours : goldbraun, faserig, unwiderstehlich. Artikel auf Französisch →

Es gibt kulinarische Spezialitäten, die eine Region definieren. In Bayern ist es das Weißwurst-Frühstück, in Bologna die Mortadella, in der Touraine sind es die Rillettes de Tours. Dieser langsam gegarte Schweineaufstrich ist weit mehr als Charcuterie: Er ist ein kulturelles Statement, ein gastronomisches Erbe und : wenn man den Tourangeaux Glauben schenken darf : das Beste, was sich mit einem Stück Baguette anstellen lässt.

Die Rillettes de Tours sind seit November 2013 durch eine geschützte geografische Angabe (g.g.A.) offiziell geschützt. Das Lastenheft ist präzise: Das Fleisch wird in Stücken von mindestens 6 × 6 Zentimetern geschnitten, dann stundenlang in Schweineschmalz gegart. Die Farbe muss „homogen goldbraun bis braunfarben" sein : deutlich dunkler als die blassen Rillettes aus dem Département Sarthe. Die Textur ist faserig, mit klar erkennbaren Fleischstücken. Der Feuchtigkeitsgehalt liegt unter 68 Prozent, was dem Produkt seine charakteristische trockene Konsistenz verleiht.

„Rillettes de Tours. : Se servent en pots, et bien froides."
— Auguste Escoffier, Le Guide Culinaire

Auguste Escoffier, der König der Köche, widmete den Rillettes de Tours in seinem berühmten Guide Culinaire genau einen Satz. Aber es ist ein guter Satz: kalt serviert, im Topf : und damit unveränderlich. Ein Rezept aus dem Jahr 1905 beschreibt den Garprozess mit bemerkenswerter Strenge: „Das Feuer darf niemals zu stark sein. Sonst würde das Produkt hart und gäbe auf der Zunge das Gefühl von feinem Sand." Feiner Sand auf der Zunge : ein gastronomischer Albtraum. Goldbraun schmelzende Rillettes : ein Traum.

Was ist der Unterschied zu den Rillettes aus dem Département Sarthe (Le Mans)? Diese Frage führte 1922 zu einem der amüsantesten Leserbriefkämpfe der Pressegeschichte. Doch das ist ein anderes Kapitel.

Geschichte, Rezepte & IGP auf Französisch lesen →

Der große Rillettes-Skandal von 1922

Rillettes du Mans : heller, fetter, Gegenstand eines historischen Rezeptstreits
Rillettes du Mans : heller und der Ausgangspunkt eines historischen Disputs. Artikel auf Französisch →

Am 13. November 1922 veröffentlichte L'Ouest-Éclair, eine Tageszeitung aus dem Westen Frankreichs, ein Rezept für Rillettes sarthoises : also die Rillettes aus dem Département Sarthe. Das Rezept stammte von einer Leserin namens Marianne. Es schien eine harmlose Handlung. Es war keine.

Eine Woche später traf der empörte Brief einer anderen Sarthoierin ein: Marianne habe das Rezept grundlegend falsch dargestellt. Die wahren Rillettes sarthoises enthielten nicht nur Schwein, sondern auch Gänsefleisch. Außerdem sei es ein hygienischer Skandal, die Töpfe mit Zeitungspapier zu bedecken : eine Praxis, die Marianne empfohlen hatte.

„Les Rillettes Sarthoises se font avec du porc et de l'oie ; c'est du reste ce qui les distingue des Rillettes de Tours."
— Anonyme Leserin, L'Ouest-Éclair, November 1922

Marianne ließ sich nicht kleinkriegen. In einem langen, präzisen Antwortbrief verteidigte sie jede einzelne Zutat und jeden einzelnen Handgriff ihres Rezepts. Wer behaupte, echte Rillettes sarthoises enthielten Gänsefleisch, sei kein echter Sarthois. Die Gänserillettes seien eine winterliche Ausnahme, die sich überdies nicht lange halte. Das Zeitungspapier auf den Töpfen : schon seit Generationen bewährte Praxis in ihrer Familie. Der Tintendruck der Zeitung, so Marianne, schütze die Konserven sogar besonders gut. Sie schließt mit der Gewissheit einer Frau, die weiß, was sie kocht.

Eine dritte Leserin, Marie Dujardin aus Le Mans, griff ein, gab Marianne Recht : und schloss mit einer Frage, die in der gastronomischen Literatur bis heute nachhallt: „Wo liegt eigentlich der genaue Unterschied zwischen Rillettes de Tours und Rillettes du Mans? Wenn eine Ihrer Leserinnen das Rezept der Touraine kennt, wäre ich sehr dankbar." Diese Frage, gestellt 1922, bleibt im Grunde offen. Tourangeaux, natürlich, haben die Antwort: Ihre Rillettes sind besser. Aber das ist keine Information : das ist eine Überzeugung.

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— IV. Autoren & Literatur —

Honoré de Balzac : Der Sohn von Tours

Honoré de Balzac : Porträt von Nadar, BNF
Honoré de Balzac : fotografiert von Nadar. Quelle: BNF / Gallica. Artikel auf Französisch →

Honoré de Balzac : geboren am 20. Mai 1799 in Tours, gestorben am 18. August 1850 in Paris : schuf in fünf Jahrzehnten eines der monumentalsten Werke der Weltliteratur: die Comédie Humaine, ein Zyklus von über neunzig Romanen und Erzählungen, die ein vollständiges Panorama der französischen Gesellschaft seiner Zeit entwerfen. Er war exzessiv in allem: in seiner Arbeit, in seinen Schulden, in seinem Kaffeekonsum : und in seinem Talent.

Für viele Tourangeaux beschränkt sich Balzac auf „Le Lys dans la vallée" : in der Schule gelesen, in jungen Jahren als allzu pompös empfunden, und erst im Erwachsenenalter neu entdeckt. Doch das Beste an Balzac ist die gnadenlose Präzision seiner Menschenbeobachtung. „La Peau de Chagrin", „Le Père Goriot", „Eugénie Grandet" : das sind keine sentimentalen Familiendramen, sondern messerscharfe Analysen von Gier, Macht, Illusion und der Brutalität des gesellschaftlichen Aufstiegs.

Vers la fin du mois d'octobre dernier, un jeune homme entra dans le Palais-Royal au moment où les maisons de jeu s'ouvraient, conformément à la loi qui protège une passion essentiellement imposable...
— Honoré de Balzac, La Peau de Chagrin, 1831

Die ersten Zeilen von La Peau de Chagrin werfen den Leser mitten hinein in das Paris der Spielhöhlen : ein Paris, das Balzac aus eigener Erfahrung kannte. Seine Biographie ist so reich an Dramatik, dass man sie für erdichtet halten könnte: ununterbrochene Arbeit durch die Nächte, Berg- und Talfahrten der Finanzen, leidenschaftliche Briefwechsel, der legendäre Kaffee : zwanzig, dreißig Tassen am Tag.

Eine vollständige digitalisierte Ausgabe von La Peau de Chagrin ist auf Gallica, der Online-Bibliothek der Nationalbibliothek Frankreichs, frei zugänglich. Wer Balzac nicht kennt und in Tours ist, sollte damit beginnen : und danach die Rue Nationale entlanggehen und sich vorstellen, wie die Stadt zur Zeit des Konsulats ausgesehen haben mag.

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Henri Bergson : Kein Tourangeau, und das ist bewiesen

Henri Bergson : Philosoph und Literaturnobelpreisträger 1927
Henri Bergson : geboren, gelebt und gestorben in Paris. Artikel auf Französisch →

Henri Bergson : geboren am 18. Oktober 1859 in Paris, gestorben am 4. Januar 1941 in Paris : ist einer der bedeutendsten Philosophen des zwanzigsten Jahrhunderts. Sein Konzept des élan vital, seine Analyse der Zeit als gelebte Erfahrung (durée) und sein Werk „Le Rire : Essai sur la signification du comique" haben die Philosophie nachhaltig geprägt. Er erhielt 1927 den Nobelpreis für Literatur.

Was hat das mit der Touraine zu tun? Eine hartnäckige Fehlzuschreibung. Bergson kaufte 1937 ein Haus in Saint-Cyr-sur-Loire, nahe Tours, und verbrachte dort die Sommer 1937 bis 1940. Daraufhin bezeichneten ihn einige : darunter Wikipedia und die Website der Residenz selbst : als „tourangeaux Autor". Turone.fr widerspricht entschieden:

Drei Sommer in der Touraine verbracht zu haben : zumal in einem Zustand schlechter Gesundheit : macht einen noch nicht zum Tourangeau. Zumal die Eigentümer des Hauses selbst einräumen: „Dans la maison, il ne subsiste aucun souvenir de cet homme."

Bergson ist und bleibt Pariser. Das ändert nichts an der Faszination seines Werkes. Le Rire analysiert die Mechanismen des Komischen mit solcher Präzision und Systematik, dass das Lachen beim Lesen ein wenig vergeht : was man als paradoxe Errungenschaft bezeichnen darf. Das Werk ist im Original frei zugänglich auf den Seiten der Universität Quebec in Chicoutimi : die, wie Turone.fr bemerkt, bekanntlich im Herzen der Touraine liegt.

Die Bergson-Debatte auf Französisch lesen →

Théophile Gautier in der Touraine : Ein unbehaglicher Durchreisender

Théophile Gautier : Porträt von Nadar
Théophile Gautier : er fand Tours ganz nett. Das war schon viel, für ihn. Artikel auf Französisch →

Im Jahr 1840 reiste Théophile Gautier von Paris nach Spanien. Seine Reisebeschreibungen : unter dem Titel „Voyage en Espagne" veröffentlicht : zeugen von einem Temperament, das die Provinz wenig begeisterte und das pittoreske Leuchten des Südens der bürgerlichen Ordnung des Loire-Tals vorzog. Die Touraine, mit ihrer bekannten Sanftheit, war für Gautier eher Durchgangsstation als Ziel.

Über die Strecke von Château-Regnault nach Tours urteilt er kurz und wenig enthusiastisch: „nichts Bemerkenswertes". Die Brücke von Tours sei zwar sehr gepriesen, habe „an sich aber nichts besonders Außergewöhnliches". Die Kathedrale Saint-Gatien profilere ihre gotischen Türme mit „Kugeln und Schwellungen wie die Glockentürme des Kremls" : ein Vergleich, der die Chorherren von Saint-Gatien vermutlich nicht entzückte.

„La Grande-Rue, qui doit faire l'orgueil des Tourangeaux, et qui a des prétentions à la rue de Rivoli."
— Théophile Gautier, Voyage en Espagne, 1841

Die Hauptstraße von Tours, so Gautier, „die den Tourangeaux zum Stolz gereichen soll, und die Ambitionen auf die Rue de Rivoli hat." Der Vergleich mit der elegantesten Pariser Prachtstraße war nicht als Kompliment gemeint. Und doch beschreibt Gautier : ungewollt, zwischen den Zeilen : den Widerschein der Loire, die weißen Segel der Boote, die Silhouette der Stadt im Abendlicht mit einer Anschaulichkeit, die den heutigen Leser in die Touraine reisen lässt.

Das Haus des Tristan l'Ermite, des gefürchteten Vertrauten Ludwigs XI., hätte Gautier gerne besucht : er hatte keine Zeit. Eine Touraine, die man in der Eile durchquert, bleibt unverstanden. Das gilt 1840. Und es gilt heute.

Gautiers Reisebericht auf Französisch lesen →

Thierry Laget : Ein zeitgenössischer Tourangeau

Thierry Laget : Schriftsteller und Literaturhistoriker
Thierry Laget : Schriftsteller, Jury-Mitglied und Tourangeau aus Überzeugung. Artikel auf Französisch →

Nicht alle bedeutenden Autoren der Touraine sind Jahrhunderte alt. Thierry Laget zeigt, dass das Loire-Tal weiterhin literarische Talente hervorbringt. Zwar in der Auvergne geboren, verbrachte er seine prägenden Jugendjahre in der Touraine, besuchte das renommierte Lycée Descartes in Tours und verfasste dort seine ersten Manuskripte. Als Schüler gründete er das, was das erste kulturelle Fanzine der Touraine gewesen sein dürfte : ein frühes Zeichen eines Temperaments, das Literatur nicht nur liest, sondern lebt.

Wie so viele Talente aus der Provinz musste er die Touraine verlassen, um sich zu entfalten: Paris, dann Florenz, dann die USA. Diese Stationen spiegeln sich in seinen Werken wider : insbesondere in Dix manteaux rouges und Florentiana. Er arbeitete an der Herausgabe von À la recherche du temps perdu in der Pléiade-Ausgabe mit, procurierte Editionen von Jacques Rivière, Marcel Proust und Gustave Flaubert : eine Arbeit, die Geduld, Gelehrsamkeit und tiefe Liebe zur Literatur verlangt.

Im April 2019 erschien bei Gallimard „Proust, prix Goncourt : Une émeute littéraire" : eine Rekonstruktion des Skandals von 1919, als Marcel Proust den Goncourt-Preis erhielt und ganz Frankreich dagegen rebellierte. Alte Soldaten, Pazifisten, Reaktionäre, Revolutionäre : alle vereint in der Empörung über einen reichen, älteren Herrn, der nicht in den Schützengräben war.

Das Buch ist zugleich Literaturgeschichte und kulturelle Analyse einer traumatisierten Gesellschaft. Und es zeigt Thierry Laget als einen Autor, der mit historischen Dokumenten ebenso sicher umgeht wie mit dem Rhythmus einer lebendigen Erzählung. Laget ist Mitglied der Jury des Prix Valery Larbaud und Präsident der Gesellschaft der Freunde von Jacques Rivière und Alain-Fournier : zwei Autoren, die ebenfalls in enger Verbindung zur Touraine standen.

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Jeanne d'Arc und Michel Douard : Geschichte mit Energie erzählt

Mon enfance tout feu tout flamme : Roman von Michel Douard über Jeanne d'Arc
Michel Douards Roman : eine neue, lebendige Sicht auf Jeanne d'Arc. Artikel auf Französisch →

Jeanne d'Arc und die Touraine sind untrennbar verbunden. Die Pucelle d'Orléans durchquerte die Region im Frühjahr 1429, hörte in Sainte-Catherine-de-Fierbois die Messe, empfing in Chinon den Dauphin, ließ sich in Tours mit einer Rüstung ausstatten. Das Loire-Tal bewahrte die Erinnerung an diesen Durchzug : und baute sie im Laufe der Jahrhunderte mit beachtlicher Kreativität aus. An nahezu jeder zweiten Hausmauer der Region findet sich eine Marmortafel mit dem Beginn: „Ici, en l'an de grâce 1429, Jeanne d'Arc…" : gefolgt von Handlungen, deren historische Grundlage zuweilen etwas elastisch ist.

Michel Douard, Schriftsteller, Sänger und Komponist aus Tours, wollte der Geschichte eine neue Würde zurückgeben : mit einem Roman, der die Jugend der Jeanne d'Arc beschreibt, lang bevor sie zur Nationalheldin wurde. Sein Ansatz ist frisch, energetisch, und befreit die historische Figur von der Schwere des Piedestals:

„Garder la maison et les moutons ? Beurk. Supporter un mari ? Jamais de la vie. S'aplatir devant les Anglais ? Même pas en rêve !"
— Klappentext, Mon enfance tout feu tout flamme, Éditions Eyrolles

„Mon enfance tout feu tout flamme : Histoire ébouriffante de Jeanne D'Arc" erschien bei Eyrolles (240 Seiten, EAN 9782416005725). Erzählt wird die Geschichte eines Mädchens mit klaren Ansichten und starkem Willen, das noch nichts von seiner künftigen Rolle weiß. Es ist eine willkommene Alternative zur ehrfürchtigen Schullektüre : und ein Beweis dafür, dass Geschichte spannend sein kann, wenn man sie aus der richtigen Perspektive erzählt.

Michel Douard ist auch Autor der Romane Mourir est le verbe (Pocket), Un couple de singes (La manufacture de livres) und weiterer Werke, darunter ein gemeinsames Buch mit Harry Roselmack. Er ist einer der zeitgenössischen tourangeaux Autoren, die beweisen, dass die literarische Tradition dieser Region lebendig und vielfältig bleibt.

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— V. Wirtschaft & Handwerk —

Sofacyl : Industrielle Präzision aus dem Herzen Frankreichs

Fertigung von Großzylindern bei Sofacyl in Sonzay, Touraine
Fertigungspräzision bei Sofacyl in Sonzay. Artikel auf Französisch →

Nicht alles in der Touraine ist Schloss, Wein und Rillettes. Im Dorf Sonzay, dreißig Kilometer nördlich von Tours, produziert seit 1989 ein Unternehmen, das außerhalb der Fachwelt kaum bekannt ist : aber in seiner Nische eine herausragende Stellung einnimmt: die Sofacyl, spezialisiert auf die Herstellung von Zylindern und Wellen großer Abmessungen.

Was genau ist ein Großzylinder? Rohrleitungen, Druckwalzen für die Druck- und Verpackungsbranche, Rohre für den Transport von Lebensmittelflüssigkeiten : und vor allem Heliogravüre-Zylinder. In diesem letzten Segment ist die Sofacyl der letzte verbliebene Hersteller in Frankreich. Eine industrielle Tatsache, die in einem Land, das gerne über wirtschaftliche Souveränität spricht, mehr öffentliche Aufmerksamkeit verdient, als sie erhält.

Während Medien Startup-Unternehmen feiern, die nach Millionensubventionen oft spurlos verschwinden, produziert die Sofacyl seit über dreißig Jahren still, präzise und beständig. Ein mittelständisches Unternehmen, das ländliche Entvölkerung bremst und industrielle Souveränität verteidigt : ohne Hashtag, ohne Buzzword, ohne Pressekonferenz.

Die Maschinen bei Sofacyl arbeiten mit Toleranzen im Mikrometerbereich. Die Zylindergeometrie muss exakt reproduzierbar sein, damit Druckmaschinen, Walzwerke und Abfüllanlagen einwandfrei funktionieren. Es ist eine Welt fern der Loire-Schlösser : und doch ein unverzichtbarer Teil des wirtschaftlichen Gefüges der Region. Die Touraine ist nicht nur ein Bild auf einer Postkarte. Sie ist auch ein Ort, an dem Menschen arbeiten, forschen und bauen.

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Ein Weltklasse-Tonstudio in der Touraine

Professionelles Tonstudio in Saint-Pierre-des-Corps, Touraine
Das Tonstudio in Saint-Pierre-des-Corps : eine Stunde von Paris Montparnasse. Artikel auf Französisch →

Lange war es für Musiker aus der Touraine selbstverständlich: Wer ein ernsthaftes Album aufnehmen wollte, fuhr nach Paris, nach London oder nach New York. Die Touraine hatte zwar Wein, Schlösser und Rillettes : aber kein Tonstudio, das internationalen Ansprüchen genügte. Das hat sich geändert.

In Saint-Pierre-des-Corps, unmittelbar an Tours angrenzend, gibt es heute ein professionelles Tonstudio mit einer Ausrüstung, die manche Pariser Einrichtungen nicht besitzen : und zu Konditionen, die für unabhängige Künstler und mittlere Produktionen realistisch sind. Der TGV von Paris Montparnasse erreicht Saint-Pierre-des-Corps in einer Stunde. Pariser Musiker entdecken zunehmend, dass die Reise nach Tours sich lohnt : für die Akustik, für das Ambiente, für die Rillettes nach einer langen Aufnahmesession.

Das Studio in der Touraine ist auch ein vollwertig ausgestatteter Proberaum : mit einer Bühne, die groß genug ist für realistische Licht- und Soundproben. Aufnehmen, proben, die Bühne vorbereiten, und am Abend am Ufer der Loire sitzen. Das hat New York nicht zu bieten.

Für eine Region, die kulturell lebendiger ist als ihr Ruf : mit der Fête de la Musique, dem Festival de Tours, zahlreichen Jazzabenden und einer aktiven Musikszene : ist ein solches Studio nicht Luxus, sondern Notwendigkeit. Die Touraine produziert nicht nur Rillettes und Wein. Sie produziert auch Musik.

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Digitale Pioniere seit 1994 : Das Web kam in die Touraine, bevor es einen Namen hatte

Die Basilique Saint-Martin in Tours
Tours : Geburtsstadt von Balzac, von der Basilique Saint-Martin und eines der ältesten Webunternehmen Frankreichs. Artikel auf Französisch →

Das Jahr ist 1994. Das Minitel ist noch König in Frankreich. Was wir heute das Internet nennen, heißt gerade erst Internet und ist außerhalb von Universitäten kaum bekannt. Yahoo wird im März 1995 gegründet. Google im September 1998. Internet Explorer im August 1995. Und in Tours gründet sich ein Unternehmen, das sich auf Webentwicklung spezialisiert : in einem Jahr, in dem die meisten Menschen das Wort Website noch nie gehört haben.

Dieses Unternehmen heißt Eurienta. Es existiert noch heute. Seine ersten Kunden fand es nicht in der Touraine : die damals wenig Bedarf an Webpräsenzen spürte : sondern in den USA und in Spanien, wo es den Tauchtourismus in der nördlichen Katalonie digital erschloss. In einer Region, die stolz auf ihre Geschichte ist, ist dieses digitale Pionierunternehmen eine Art modernes Gegenstück zur alten Drucktradition der Loire-Städte des Mittelalters.

Die Touraine war im 15. und 16. Jahrhundert eine Region, die technologische und kulturelle Innovation anzog: Buchdrucker, Architekten, Künstler aus ganz Europa kamen hierher. Die Loire-Schlösser entstanden in dieser Zeit. Dass dies im 21. Jahrhundert wieder möglich ist, beweist Eurienta. Exzellenz braucht keine Metropole.

Für den Besucher ist dies ein Hinweis, dass die Touraine vielschichtig ist. Die Schlösser und die Rillettes sind die berühmten Gesichter dieser Region. Dahinter steckt eine Gesellschaft, die arbeitet, erfindet und vorausschaut : manchmal ein Jahr vor Yahoo.

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